Arbeitsgemeinschaft (ARGE) – Synergieeffekte gewinnbringend nutzen

Unter einer Arbeitsgemeinschaft versteht man den Zusammenschluss von mehreren Unternehmen, die für einen vorübergehenden Zeitraum gemeinsam ein Projekt übernehmen. Die Zusammenarbeit ist nicht auf Dauer ausgelegt, sodass sich die Unternehmen nach erfolgreichem Abschluss des jeweiligen Projekts in der Regel wieder trennen. Besonders häufig sind Arbeitsgemeinschaften im Baugewerbe anzutreffen. Sie kommen aber natürlich auch in anderen Branchen vor.

Wie entsteht eine ARGE?

Eine ARGE kann immer dann entstehen, wenn sich mehrere Unternehmen zum Zusammenschluss entscheiden. Besonders häufig ist sie aber das Ergebnis einer Bietergemeinschaft. Im Baugewerbe werden Projekte von vielen Auftraggebern ausgeschrieben. Bauunternehmen können dann ein Angebot erstellen.

Eine Arbeitsgemeinschaft sitzt an einem Tisch und analysiert gemeinsam verschiedene Diagramme und Dokumente während einer Besprechung aus der Vogelperspektive.

Die Arbeitsgemeinschaft bündelt die Ressourcen mehrerer Unternehmen für die gemeinsame Umsetzung eines spezifischen Vorhabens.

Durch den Zusammenschluss mit anderen Firmen können sie ihre Chancen in einigen Fällen erhöhen. Wenn sie dann den Auftrag bekommen, steht es ihnen frei, eine ARGE zu gründen. Dafür wird ein Vertrag aufgesetzt. Üblicherweise greifen Unternehmen auf den Mustervertrag des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie zurück.

Die Vorteile einer ARGE

Der Zusammenschluss zu einer Arbeitsgemeinschaft kann für die beteiligten Unternehmen eine Reihe von Vorteilen mit sich bringen:

  • Alle Mitglieder einer ARGE haften gesamtschuldnerisch. Dadurch findet eine Risikoverteilung statt.
  • Auch kleine Unternehmen erhalten durch eine ARGE möglicherweise Zugang zu größeren, attraktiven Ausschreibungen, die sich später gut auf dem Portfolio machen.
  • In einer ARGE kommen Fachwissen, Kompetenzen und Ressourcen aus verschiedenen Unternehmen zusammen. Dadurch können die Effizienz und die Qualität der Leistungen enorm gesteigert werden. Das kann wiederum zu verkürzten Bauzeiten führen.

Sind Arbeitsgemeinschaften rechtsfähig?

Üblicherweise ist eine Arbeitsgemeinschaft nicht rechtsfähig. Im Regelfall tritt sie nach außen hin als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) auf. Die ARGE-Mitglieder können aber auch gemeinsam eine andere Rechtsform wählen. Darüber hinaus muss die Arbeitsgemeinschaft nicht ins Handelsregister eingetragen werden.

Die ARGE kann also kein Eigentum erwerben und nicht verklagt werden. Die einzelnen Gesellschafter sind aber durchaus rechtsfähig.

Welche Arten von Arbeitsgemeinschaften gibt es?

Arbeitsgemeinschaften werden in zwei Typen unterteilt, die sich in ihren Verantwortlichkeiten und der Art der Zusammenarbeit deutlich unterscheiden. Eine echte Arbeitsgemeinschaft ist eng miteinander verflochten und gleicht für die Dauer des Projekts einem Unternehmen. Die Dach-ARGE ist hingegen ein wenig flexibler, verlangt von den einzelnen Mitgliedern aber auch mehr Verantwortung ab.

Die echte Arbeitsgemeinschaft

Bei der echten Arbeitsgemeinschaft treten die Mitglieder gemeinsam nach außen hin auf und bringen jeweils ihre Ressourcen ein. Außerdem gibt es eine gemeinsame Buchhaltung. Die echte ARGE, auch Normal-ARGE genannt, bleibt für einen begrenzten Zeitraum zusammen und arbeitet üblicherweise projektbezogen. Es wird eine gemeinsame Bauleitung benannt.

Überdies verpflichten sich die ARGE-Mitglieder, die Bauleistungen gemeinsam zu erbringen. Dafür wird auch eine gemeinsame Finanzplanung eingerichtet. Das funktioniert meist so, dass ein Betriebsmittelkonto eingerichtet wird, auf das alle Mitglieder der ARGE einzahlen.

Die Dach-Arbeitsgemeinschaft

Die Dach-ARGE wird auch als unechte ARGE bezeichnet, setzt sich aber genauso wie die echte ARGE aus verschiedenen Unternehmen zusammen, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Allerdings verläuft ihr die Vergabe der Aufgaben anders. Die verschiedenen Einzelleistungen werden in Lose unterteilt und an die Mitglieder vergeben. Dafür wird mit jedem Mitglied ein Subunternehmervertrag abgeschlossen.

Anschließend ist es selbstständig für die Erfüllung seines Teilauftrags zuständig.

Wie Unternehmen von einer ARGE profitieren können

In der Baubranche werden häufig lukrative Aufträge ausgeschrieben, deren Volumen gerade kleinere Unternehmen nicht bewältigen können. Manchmal fehlt ihnen auch für bestimmte Bereiche die Fachkompetenz, während sie andere Aufgaben problemlos erledigen könnten.

Durch den Zusammenschluss mit anderen Auftragnehmern können sie sich auch solche Aufträge sichern. Das kann gut für die eigenen Referenzen sein, trägt aber auch zum Netzwerken in der Branche bei. Sie knüpfen nicht nur neue Kontakte mit Auftraggebern, die gegebenenfalls attraktive Folgeaufträge vergeben, sondern schaffen auch Verbindungen zu anderen Unternehmen, mit denen in Zukunft möglicherweise eine erneute Zusammenarbeit stattfinden kann.

Gleichzeitig stärkt eine ARGE die Konkurrenzfähigkeit. Durch die Bündelung von Fachkompetenz wird sie zu einem überzeugenden Auftragnehmer, der bei Kunden gerne gesehen ist. Üblicherweise profitieren alle Mitglieder der ARGE von diesen Effekten.

Arbeitsgemeinschaften in anderen Bereichen

Auch wenn Arbeitsgemeinschaften typisch für die Baubranche sind, tauchen sie nicht nur in der Wirtschaft auf. Sie sind auch ein fester Begriff im öffentlichen Bereich. Zum Beispiel schließen sich Bund und Länder häufig zu Arbeitsgemeinschaften zusammen. Damit sollen bestimmte Aufgaben, angepasst an die jeweiligen strukturellen Gegebenheiten vor Ort, erledigt werden.

Achtung: Umgangssprachlich wird heute noch häufig das Jobcenter als ARGE bezeichnet. Seit 2011 existiert dieser Begriff aber nicht mehr. Wer Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld I oder Bürgergeld beantragen möchte, wendet sich also nicht an die ARGE, sondern an das Jobcenter. Streng genommen handelt es sich aber auch beim Jobcenter nach wie vor um eine Arbeitsgemeinschaft, schließlich geht es hier um eine Kooperation aus der überregionalen Bundesagentur für Arbeit und einem kommunalen Träger.

Überdies ist die Arbeitsgemeinschaft auch in der Medizin ein bekannter Begriff. Sie dient dazu, das Fachwissen zu einem bestimmten medizinischen Thema zu bündeln und Synergieeffekte zu nutzen, um schneller ans Ziel zu kommen. Gerade im Bereich der Forschung kann das ein echter Vorteil sein.

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