Finanzberatung: Engagement für den Nachwuchs – wichtiger denn je

Der Finanzmarkt befindet sich im Umbruch: Einerseits ist nach den Coronajahren, dem Ukrainekonflikt und der Inflation der Bedarf an kompetenter Finanz- und Versicherungsberatung bei Privatkunden und Unternehmen größer als je zuvor.

Andererseits findet nur wenig Nachwuchs den Weg in die Branche, die Beraterinnen und Berater werden immer älter. Ein Verein und einige Unternehmen wollen das ändern.

Versicherungs- und Finanzberater kommen in die Jahre

Eine Strukturanalyse des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) aus dem Jahr 2021 zeigt: Nur 1,9 Prozent der befragten Versicherungsvermittlerinnen und Versicherungsvermittler sind jünger als 30 Jahre. Fast 45 Prozent sind zwischen 50 und 59 Jahre alt, und über 17 Prozent haben bereits das sechzigste Lebensjahr überschritten. Das Durchschnittsalter der Beratenden liegt bei 50,6 Jahren. Gegenüber einer vorhergehenden Strukturanalyse hat dieses Durchschnittsalter damit um 1,3 Jahre zugenommen.

Bei den Finanzberaterinnen und -beratern sieht es ähnlich aus: Laut einem Cash-Online-Interview mit der Leiterin des Vertriebsmanagements beim Finanzdienstleister MLP, Nicole Unger, sind nur 2,5 Prozent der Beraterinnen und Berater im Finanzvertrieb jünger als 30 Jahre. Außerdem ist die Anzahl an Beratern insgesamt rückläufig.

Als Grund für den mangelnden Nachwuchs wird neben dem demografischen Wandel oft das negative Image der Branche genannt, das in der Vergangenheit durch einige „schwarze Schafe“ entstanden ist.

Vereinsarbeit gegen Nachwuchsprobleme

Der Verein Zukunft für Finanzberatung e.V. (ZFF) will dieser Entwicklung entgegentreten. Der 2018 gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das Ansehen der Finanz-, Versicherungs- und Vorsorgeberatung in Deutschland zu verbessern.

Im Rahmen seiner Aktivitäten fördert der ZFF den Nachwuchs. Junge Interessentinnen und Interessenten haben über den Verein die Möglichkeit, sich in Form von ein paar Schnuppertagen oder eines mehrwöchigen Praktikums vor Ort eingehend über den Arbeitsalltag in der freien Finanzberatung zu informieren.

Beides soll Interessenten helfen, einen ersten Einblick in das Berufsbild zu erhalten. Auf diese Weise will ihnen der Verein eine praxisorientierte Entscheidungsgrundlage für das Berufsbild verschaffen.

Eigeninitiative der Finanzberatungsunternehmen

Unternehmerisches Engagement für den Nachwuchs findet in der Branche auch intern statt. Finanzdienstleister wie die MLP Finanzberatung SE, die Postbank oder tecis setzen schon seit längerem auf interne Aus- und Weiterbildungen, um ihren Beratungsnachwuchs zu gewinnen, zu binden und zu fördern. So können zum Beispiel Trainees beim Finanzdienstleister tecis je nach Neigung und Typ vier verschiedene Wege im Unternehmen einschlagen.

Zunächst gibt es die Möglichkeit, bei tecis eine Karriere als selbstständiger Financial Consultant anzustreben. Das Unternehmen unterstützt ihre Consultants dabei mit diversen Coachings und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Konzepten zur Kundengewinnung.

Außerdem gibt es die Option, zur Führungskraft aufzusteigen. Dabei kann die Karriere mit der Führung eines Vertriebsteams beginnen, ein Aufstieg in die Direktionsleitung ist später möglich. Angehende Führungskräfte werden an einer hauseigenen Managementakademie geschult.

Ein weiterer Karriereweg ist der zur Spezialistin oder zum Spezialisten. Nach internen Weiterbildungen haben sich diese Mitarbeitenden auf bestimmte Themengebiete spezialisiert und unterstützen Kundinnen und Kunden, beispielsweise bei der Investition in Immobilien.

Last but not least können Trainees später die Position einer Finanzkanzlei-Leiterin oder eines Finanzkanzlei-Leiters anstreben, um für Swiss Life Select neue Standorte zu erschließen.

Neben solch individuellen Karrierewegen locken die Finanzdienstleister junge Talente vermehrt mit Corporate Benefits wie etwa flexiblen Arbeitszeiten, Arbeiten im Homeoffice sowie einem familienfreundlichen Arbeitsumfeld.

Das könnte dich auch interessieren …